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Konzertkritiken

 

Der hannoversche Musikkritiker Gerd Bösenberg schreibt:

 

4. Benefizkonzert in St. Augustinus:

 

Franz von Assisi und die Straßenkinder

im Blickpunkt

 

Im Rahmen der Reihe "Musik in St. Augustinus" gab es am 10. Oktober 2004 eine groß angelegte Benefizveranstaltung für ein Straßenkinderprojekt der Salesianer Don Boscos

in Navajeeven (Indien).

 

„Franz von Assisi - Musik und Lyrik" stand als Schwerpunkttitel über dem Programm. In Texten wurde über das Leben und Wirken des heiligen Franziskus berichtet,

dazu erklang Orgelmusik, die einen Bezug zu diesen Berichten hatten. Unterstützt und ergänzt wurden Text und Musik durch Gemälde von Künstlern aus vielen Jahrhunderten, die über einen Beamer auf einer großen Leinwand zu sehen waren.

 

Ein Medien-Mix, in dessen Mittelpunkt eine sehr punktuelle Auswahl stand von Texten von und über den Gründer des Franziskanerordens. Zum Beispiel hörten die Gäste den "Sonnengesang", den Franz von Assisi als Lobpreis Gottes und seiner Schöpfung geschrieben hat.

 

Von Alfred Petzold stammte der Text "Franz von Assisi und der Weltkrieg", entstanden 1918. Vorgetragen wurden sie von Pater Thomas Asten, Berlin, der vor seinem Theologiestudium und dem Eintritt in den Salesianerorden als Schauspieler bei "Tatort" und "Derrick" bekannt geworden ist. Jetzt engagiert er sich sehr für indische Straßenkinder.

 

Die Texte wurden immer wieder zusammengefasst – beim Sonnengesang leider auch unterbrochen - durch meisterliches Orgelspiel von Professor Pier Damiano Peretti.

Er ist international vielfach ausgezeichnet und lehrt seit einem guten Jahr an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover "Künstlerisches Orgelspiel".

 

Peretti begann sein Programm mit  einer anonymen Estampie (Kreistanz) etwa aus der Zeit des Wirkens von Franziskus.

Sie stammt aus England und gehört zur ältesten überlieferten Orgelmusik. Zwischen den Versenden des Sonnengesanges waren Sätze aus Dietrich Buxtehudes "Te Deum" zu hören.

 

Danach klang moderne Orgelmusik auf. Aus der Pfingstmesse (1951) von Olivier Messiaen, dem französischen Universalgenie und spirituellem Komponisten, waren die Teile "Die Vögel und die Quelle" zu hören (analog zu "Franziskus und die Vögel") sowie das Schlussstück "Der Wind des Geistes".

 

Nach Johann Sebastian Bach folgte am Ende als hannoversche Erstaufführung von Wolfgango Dalla Vecchia (1923-1996) eine sehr gewöhnungsbedürftige Komposition mit dem Titel "Adagioissimo", die 1981 zum 800. Geburtstag des Franz von Assisi uraufgeführt wurde. Erstaunlich, wie Peretti dieses extrem langsame Stück korrekt in der Schwebe hielt. Überraschend zauberte er gegen Ende des Stückes virtuos aus dem Pedal ein Glockengeläut hervor.

 

Für viele Zuhörer in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche war dieses Benefizkonzert sicher eine Konzentrations-übung. Trotzdem: Vehementer Applaus am Schluss, mit dem wohl nicht nur die Leistung der Aufführenden honoriert wurde sondern auch das Engagement von Winfried Dahn, der als Leiter der Musikreihe dieses Konzert mit viel Vorbereitung und

Engagement in den Dienst der guten Sache gestellt hatte.

Am Ende wurden 1400 Euro für das Projekt gezählt. 

 

Gerd Bösenberg

 

 

 

 

Vivaldis Vier Jahreszeiten             auf der Kirchenorgel -
Naturerlebnis in St. Augustinus


An der Lobback-Orgel: Detlef Steffenhagen

 

Wenn am Ende eines Konzertes die vielen Zuhörer begeistert Beifall klatschen und dann noch über zwanzig CDs vom Künstler erwerben, dann muss etwas besonderes in einem Konzert passiert sein. Und in der Tat war es so.

Mit der Aufführung der Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi (1678-1741) wurde  dieses berühmte Instrumentalwerk zum ersten Mal in Hannover auf der Kirchenorgel aufgeführt.  Der Organist, Detlef Steffenhagen aus Frankfurt/M, hat die Orgeltranskription der Vier Jahreszeiten selbst vorgenommen und dieses klassische Werk auch selbst auf der Lobback-Orgel gespielt. 

Die Zuhörer konnten über eine Videoübertragung das konzertante Spiel von Detlef Steffenhagen am Spieltisch der Lobback-Orgel genau mitverfolgen, wie z.B. durch eine exakte Artikulation die Regentropfen und das klirrende Eis im Winter oder der Blitz und Donner im Sommer in der Kirche hörbar und fühlbar worden. Eine besondere raffinierte Auswahl der vorhandenen 45 Register der Lobback-Orgel ermöglichte fast naturgetreu die Wiedergabe der Stimmen des Kuckucks und der Stieglitze sowie der Klang der Jagdhörner im Herbst. 

Zwischen den einzelnen Teilen der Jahreszeiten trugen Winfried und Christa Dahn die vier wunderschönen Gedichte, die Vivaldi selbst zu seiner Komposition geschrieben hat, vor. Das Vivaldi-Konzert  zum Hören, Sehen und Fühlen der Naturereignisse war ein voller Erfolg.

 

Winfried Dahn

St. Augustinus und Hochschule für Musik und Theater Hannover kooperieren

 

Seit einem Jahrzehnt kooperiert der Künstlerische Leiter der Reihe Musik in St. Augustinus, Studiendirektor Winfried Dahn, mit dem Hochschulchor unter der damaligen Leitung von Prof. Wolfram Wehnert. Die Zusammenarbeit hat sich im letzten Jahr durch die Zusammenarbeit mit Prof. Pier Damiano Peretti und seiner Orgelklasse erweitert. Die Studierenden von Prof. Pier Damiano Peretti und Prof. Walter Nußbaum (Chorleitung) haben in einem Chor- und Orgelkonzert in St. Augustinus einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen. Der Musikkritiker Gerd Bösenberg schreibt zum Konzert:

 

Mittwoch, 28. April 2004, 19.30 Uhr

 

Chor- und Orgelmusik in St. Augustinus


Am Sonnabend, dem 3. Juli, war innerhalb der Reihe "Musik in St. Augustinus“ nach einer Pause wieder ein Konzert zu hören mit ausgesuchten Titeln aus der Chor- und Orgelliteratur.

Seit geraumer Zeit bahnt sich eine engere Zusammenarbeit zwischen der "Konzertreihe“ und der Hochschule für Musik und Theater Hannover an.

Die hervorragende Lobback-Orgel wird von der Hochschule gern genutzt, der Hochschulchor ist von der ausgezeichneten Akustik des Kirchenraumes angetan.

So traten diesmal das Kammerensemble des Hochschulchores unter Leitung von Sebastian Grünberg und Raphaela Martens auf. An der Orgel war Ansgar Schlei, Bad Münder, zu hören, der gerade seine Ausbildung (A) bei Prof. Pier Daminno Peretti beendet.

Schlei eröffnete das Konzert mit der Toccata Nr.1 des süddeutschen Barock-Komponisten Georg Muffat,  der sich der Kammerchor der Hochschule anschloss mit einem Lobgesang
Mariens, dem Magnificat nach Lucas 1/46-55 von Johann Pachelbel.
Unter Leitung von Sebastian Grünberg glänzte das Ensemble mit einem ungewöhnlich
schönen Chorklang bei präziser Intonation, die diese barocke Komposition erfordert.
Unter Grünbergs Leitung war später noch vom Meister des englischen Madrigals,
Williem Byrd, ein lupen- reines "Ave verum corpus" zu hören.

Dann übernahm Raphaela Martens den Taktstock für Kyrie und Gloria aus Robert Schumanns "Missa sacra" op. 147 in der Fassung mit Orgel. Auch hier war der Chor ganz auf der Höhe
und spürte den emotionalen Stimmungsschwankungen in Schumanns später Musik behutsam nach.

Ansgar Schlei spielte ein kurzes Ricercare von György Ligeti (geb. 1923), bevor er sich die mächtige 1. Orgelsonate f-moll op.65/1 von Felix Mendelssohn - Bartholdy vornahm.
Die Schwieriqkeiten in der Überlagerung von leisen und lauten Klingen bei dialogischen Manualwechseln meisterte er vortrefflich.
 
Leider warteten die Zuhörer auf des Attaca-Finale als brillanten Schluss vergeblich.
Dennoch führte Schlei. das Konzert mit der romantischen Musik Mendelssohn zu einem schönen Übergang zu Schumanns „Missa sacra“ als Schlusspunkt.

 

Gerd Bösenberg

 

Mittwoch, 28. April 2004, 19.30 Uhr

 

Orgelmusik und Sonnenuntergang in Ricklingen
 • Junge Organisten an der Lobback-Orgel

 

Das Tageslicht erleuchtete noch die intensiv farbigen Glasfenster von St. Augustinus, als Winfried Dahn, musikalischer Leiter der Reihe Musik in St. Augustinus, das Konzertpublikum begrüßte. Als Michael Dorst eine Stunde später seine improvisierte Fuge begann, war es längst dunkel draußen - und die Zuhörer befanden sich am Ende einer Reise durch 400 Jahre Orgelmusik zwischen Heinrich Scheidemann und Arvo Pärt.
Was die Ausführenden (angespannt und möglichst konzentriert waren dies: Maike Freund, Ansgar Schlei, Christoph Koscielny, Moritz Backhaus und Michael Dorst von der Hochschule für Musik und Theater Hannover) von diesem Sonnenuntergang mitbekommen haben ist schwer zusagen. Fest steht, dass es zum musizieren eine ausgesprochen angenehme Atmosphäre war – ob für Vincent Lübeck, Scheidemann, Josef Rheinberger, Felix Mendelssohn, Charles-Marie Widor oder Pärt.

Für die Studierenden war es ausgesprochen spannend, dem Instrument jeweils möglichst passende, interessante und zeitweise innovative Klänge zu entlocken.
Ob das nun der Gebrauch der Schwebung im Präludium von Lübeck war oder das Abschalten und in sich zusammensacken des Motors in „Annum per Annum“ von Pärt.

In entspannter und erleichterter Stimmung nach dem Konzert – auch der Hochschullehrer Prof. Pier Damiano Peretti war sichtlich zufrieden –  waren sich alle einig, durchaus wiederkommen zu wollen – nicht nur zum wöchentlichen Unterricht an der Lobback-Orgel in St. Augustinus.

 

Moritz Backhaus

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Die Künstler

Pater Thomas Astan SDB

Professoren der HMTH

Detlef Steffenhagen (re) und die Gastgeber

Nach dem Konzert

Das Kammerensemble

Ansgar Schlei am Spieltisch

Die Interpreten

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