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Kath. Kirchengemeinde St. Augustinus • Hannover-Ricklingen
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                          Vorsitzende: Ingeburg Hammer, Telefon: 0511 / 422400

 

Es gibt immer eine Alternative ...

 

 

 

Am 07.01.1963 fanden sich 32 "Männer der ersten Stunde" im Pfarrheim zur Gründungsversammlung der KAB St. Augustinus zusammen.

 

WAS IST UND WAS WILL DIE KAB?

(eine Antwort aus der Festschrift zum 1-jährigen Bestehen)

 

Die KAB ist der Zusammenschluss katholischer Arbeitnehmer. Als oberstes Ziel betrachtet sie die Durchdringung unserer Gesellschaft mit christlichem Gedankengut. Unseren Mitgliedern soll es frohe Pflicht sein, durch ihr Beispiel in Wort und Tat - in der Familie, in den Fabriken, in den Büros sowie in der Öffentlichkeit - wahres Laienapostolat zu üben. Im Kreise Gleichgesinnter immer wieder neue Kraft für diese oft nicht leichte Aufgabe zu holen, ist der Sinn unserer Zusammenkunft. Einen weiteren Sinn sehen wir in der Aktivierung unserer Bildungsarbeit. Vorträge, Lichtbildvorführungen sowie entsprechendes Schrifttum ermöglichen es jedem KAB-Freund, einen klaren Blick für Wahrheit und Gerechtigkeit sowie aber auch für Lug und Trug zu gewinnen.

Als einen sehr wichtigen Punkt unseres Programms ist die Betätigung der KAB auf sozialem Gebiet zu nennen. Unser Verbandsorgan, die "Ketteler Wacht" schreibt dazu folgendes:

"Als soziale Bewegung erstrebt sie (die KAB) die gerechte gesellschaftliche Einordnung der Arbeitnehmerschaft und ihre Mitverantwortung in einer Gesellschaft, die den Ordnungsprinzipien der katholischen Soziallehre entspricht."

Geben wir uns nicht dem trügerischen Glauben hin, dass alle sozialen Fragen gelöst sind, wenn diese auch nicht mehr so deutlich ins Auge fallen wie etwa vor Jahrzehnten. Die Enzykliken mehrerer Päpste weisen mit aller Deutlichkeit darauf hin, dass die soziale Frage ein Hauptanliegen des Christentums ist.

 

 

Keine "Vereinsmeierei" hat also verantwortungsbewusste Männer bewogen, auch in unserer Pfarrei die "Katholische Arbeitnehmer-Bewegung" ins Leben zu rufen. Der Grundstein und die Unterkellerung sind gut geraten. Nun lasst uns an den weiteren Aufbau gehen.

 

 

Auch heute haben KAB-Mitglieder einen klaren Blick für die Erfordernisse der Zeit (dies sind nur Stichworte – mehr dazu finden Sie auf der Web-Site http://www.kab.de – auch für Nicht-Mitglieder).

 

Das bessere Rentenmodell (Stufe 1: Sockelrente - Solidarische Pflichtversicherung für alle Einwohnerinnen und Einwohner - "Volksversicherung"; Stufe 2: Arbeitnehmerpflichtversicherung; Stufe 3: Betriebliche und private Altersvorsorge).

 

 

Die Aktion Lasst Euch nicht verarmen!

http://www.lasst-euch-nicht-verarmen.de

Soziale Gerechtigkeit jetzt! Stellen Sie sich vor, dieses Land macht eine andere Politik: Statt einer „Politik der Spaltung“ eine Politik der Gerechtigkeit und Solidarität ...

Die Aktion Menschen beteiligen - Gerechtigkeit schaffen!

http://www.gutes-leben-fuer-alle.de

 

 

 

Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit

 

Auszug aus dem

Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland (vom 22.02.1997)

 

Die Kirchen haben im Konsultationsprozeß gelernt. Es gibt innerhalb der Kirchen zwar eine hohe Sensibilität für ihren Dienst an der Gesellschaft und eine Fülle beeindruckender Aktivitäten, aber auch nicht wenige Gemeinden und Christen, die in besorgniserregender Weise selbstbezogen sind und den Vorgängen in der Gesellschaft zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Daß das Eintreten für Solidarität und Gerechtigkeit unabdingbar zur Bezeugung des Evangeliums gehört und im Gottesdienst nicht nur der Choral, sondern auch der Schrei der Armen seinen Platz haben muß, daß "Mystik", also Gottesbegegnung, und "Politik", also der Dienst an der Gesellschaft, für Christen nicht zu trennen sind - das alles ist im Konsultationsprozeß nachdrücklich hervorgetreten. Eine wertvolle Erfahrung war nicht zuletzt die erneute Bestätigung, daß ein gemeinsames sozialethisches Sprechen und Handeln der Kirchen möglich, aber auch notwendig ist.

 

(An diesem Papier hat Dr. Josef Homeyer, Bischof (em.) von Hildesheim, wesentlich mitgewirkt.)

 

 

Auch in unserem Bistum wird Position bezogen

 

Bericht aus der Kirchenzeitung vom 08.05.2005:

 

KAB-Präses verurteilt Gewinnsucht

 

01.05.2005: Ludger Wolfert, Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) im Bistum Hildesheim, spricht auf der Maikundgebung in Hildesheim

 

Hildesheim (kiz). "Aus gewinnsüchtigen und renditeträchtigen Motiven ein Werk zu schließen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Lebensunterhalt zu rauben, ist ethisch unverantwortlich und nicht zu rechtfertigen."

 

Das hat der Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) im Bistum Hildesheim, Pater Ludger Wolfert, auf der Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in der Bischofsstadt erklärt.

Eine solche neoliberale kapitalistische Handlungsweise könne man gar nicht laut genug anprangern. Es könne niemals gutgeheißen werden, dass aus Gründen der Gewinnsteigerung Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt würden, sagte der KAB-Präses.

Wolfert: "Einem Arbeitenden kündigen zu müssen oder zu wollen, mag ja für einige nicht leicht sein. Erleben müssen wir aber, dass sich eine ganze Reihe kein großes Gewissen daraus machen, Menschen in die Arbeitslosigkeit zu entlassen."

Der KAB-Präses erinnerte in seiner Ansprache auch an das 1997 von den beiden großen Kirchen herausgegebene Wort "Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit". Leider finde dieses Wort viel zu wenig Beachtung. Selbst die Kirchen erinnerten sich kaum noch daran und "handeln im Augenblick überhaupt nicht danach".

 

Pater Ludger Wolfert stellte seiner Rede Zitate (fett) aus dem Buch Jesus Sirach voran, Auszug:

 

19 Die Augen des Herrn ruhen auf denen, die ihn lieben; er ist ein starker Schild, eine mächtige Stütze, Schutz vor dem Glutwind, Schatten in der Mittagshitze, Halt vor dem Straucheln, Hilfe vor dem Fall,

20 Freude für das Herz, Licht für die Augen, Heilung, Leben und Segen.

21 Ein Brandopfer von unrechtem Gut ist eine befleckte Gabe,

22 Opfer des Bösen gefallen Gott nicht.

23 Kein Gefallen hat der Höchste an den Gaben der Sünder, auch für eine Menge Brandopfer vergibt er die Sünden nicht.

24 Man schlachtet den Sohn vor den Augen des Vaters, wenn man ein Opfer darbringt vom Gut der Armen.

25 Kärgliches Brot ist der Lebensunterhalt der Armen, wer es ihnen vorenthält, ist ein Blutsauger.

26 Den Nächsten mordet, wer ihm den Unterhalt nimmt,

27 Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält.

28 Einer baut auf, einer reißt nieder - was haben sie mehr davon als die Mühe? 29 Einer segnet, einer flucht - auf wessen Stimme wird der Herr hören?

30 Reinigt sich einer von einem Toten, berührt ihn aber wieder, was nützt ihm dann die Waschung?

31 So ist ein Mensch, der seiner Sünden wegen fastet, aber hingeht und dasselbe wieder tut. Wer wird sein Gebet erhören und was hat er von seinem Fasten?

 

 

 

 

 

 

 

31.07.2005, von der KAB-Website - Das wollen wir:

Lasst Euch nicht verarmen! Soziale Gerechtigkeit jetzt!

Stellen Sie sich vor, dieses Land macht eine andere Politik: Statt einer „Politik der Spaltung“ eine Politik der Gerechtigkeit und Solidarität.

Wie viel lebenswerter wäre unser Land, wenn es eine gerechte Verteilung von Arbeit und Einkommen gäbe? Wenn alle Kinder die gleichen Chancen hätten? Wie viel lebenswerter wäre unser Land, wenn für alle – Frauen und Männer – Teilhabe und Teilnahme gesichert wären? Wie viel lebenswerter wäre unser Land, wenn Menschen, die alt und krank sind, sich nicht fremd und ausgestoßen fühlen müssten? Wie wäre es mit: mehr Schönheit und Kultur, mehr Frieden und – vor allem –weniger Einsamkeit und Verzweiflung?

Uns wird eingeredet, es gäbe keine Alternativen zum Abbau des Sozialstaates, zur Einschränkung von Arbeitnehmerrechten, zur Arbeitslosigkeit von Millionen, zur finanziellen Ausplünderung von Familien und zur um sich greifenden Ausgrenzung und Armut. Das stimmt nicht! Alles, was der Menschen geschaffen hat, kann der Mensch verändern. Auf das Handeln für soziale Gerechtigkeit kommt es an.

Wir wollen:

  • Soziale Absicherung für alle Mitglieder der Gesellschaft: Das soziale Netz muss alle tragen!
  • Sozialen Ausgleich in der Gesellschaft: Reformpolitik darf nicht polarisieren, Reiche reicher und Arme ärmer machen!
  • Soziale Teilhabe und Teilnahme aller: Es darf nicht die da drinnen und die da draußen geben!

„Die Stärke eines Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.“
(Präambel der Schweizer Verfassung)

Lasst Euch nicht verarmen! Soziale Gerechtigkeit jetzt!

Die Aktion Menschen beteiligen - Gerechtigkeit schaffen!

http://www.gutes-leben-fuer-alle.de

 

Bericht aus der Kirchenzeitung vom 08.05.2005:

 

KAB-Präses verurteilt Gewinnsucht

 

01.05.2005: Ludger Wolfert, Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) im Bistum Hildesheim, spricht auf der Maikundgebung in Hildesheim

 

Hildesheim (kiz). "Aus gewinnsüchtigen und renditeträchtigen Motiven ein Werk zu schließen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Lebensunterhalt zu rauben, ist ethisch unverantwortlich und nicht zu rechtfertigen." Das hat der Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) im Bistum Hildesheim, Pater Ludger Wolfert, auf der Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in der Bischofsstadt erklärt.

 

Eine solche neoliberale kapitalistische Handlungsweise könne man gar nicht laut genug anprangern. Es könne niemals gutgeheißen werden, dass aus Gründen der Gewinnsteigerung Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt würden, sagte der KAB-Präses.

 

Wolfert: "Einem Arbeitenden kündigen zu müssen oder zu wollen, mag ja für einige nicht leicht sein. Erleben müssen wir aber, dass sich eine ganze Reihe kein großes Gewissen daraus machen, Menschen in die Arbeitslosigkeit zu entlassen."

 

Der KAB-Präses erinnerte in seiner Ansprache auch an das 1997 von den beiden großen Kirchen herausgegebene Wort "Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit". Leider finde dieses Wort viel zu wenig Beachtung. Selbst die Kirchen erinnerten sich kaum noch daran und "handeln im Augenblick überhaupt nicht danach".

 

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Pater Ludger Wolfert stellte seiner Rede Zitate (fett) aus dem Buch Jesus Sirach voran, Auszug:

 

19 Die Augen des Herrn ruhen auf denen, die ihn lieben; er ist ein starker Schild, eine mächtige Stütze, Schutz vor dem Glutwind, Schatten in der Mittagshitze, Halt vor dem Straucheln, Hilfe vor dem Fall, 20 Freude für das Herz, Licht für die Augen, Heilung, Leben und Segen. 21 Ein Brandopfer von unrechtem Gut ist eine befleckte Gabe, 22 Opfer des Bösen gefallen Gott nicht. 23 Kein Gefallen hat der Höchste an den Gaben der Sünder, auch für eine Menge Brandopfer vergibt er die Sünden nicht. 24 Man schlachtet den Sohn vor den Augen des Vaters, wenn man ein Opfer darbringt vom Gut der Armen.

 

25 Kärgliches Brot ist der Lebensunterhalt der Armen, wer es ihnen vorenthält, ist ein Blutsauger. 26 Den Nächsten mordet, wer ihm den Unterhalt nimmt, 27 Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält.

 

28 Einer baut auf, einer reißt nieder - was haben sie mehr davon als die Mühe? 29 Einer segnet, einer flucht - auf wessen Stimme wird der Herr hören? 30 Reinigt sich einer von einem Toten, berührt ihn aber wieder, was nützt ihm dann die Waschung? 31 So ist ein Mensch, der seiner Sünden wegen fastet, aber hingeht und dasselbe wieder tut. Wer wird sein Gebet erhören und was hat er von seinem Fasten?

 

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Auszug aus dem Grundsatzprogramm der KAB, Beschluss des 9. Bundesverbandstages der KAB vom 18. bis 20. Oktober 1996 in Bad Honnef:

 

 

Grundlegungen - Arbeitszentrierte Organisation der Gesellschaft:

 

 

Satz 10-19:

(10) Menschen leben in einer Arbeitsgesellschaft, insofern ihre Lebensbezüge in einem entscheidenden Maße durch Arbeit bestimmt wurden und werden. Wesentliche Zusammenhänge des individuellen und sozialen Lebens sind von den Voraussetzungen und Bedingungen abhängig, unter denen Arbeit stattfindet.

(11) Im Zuge der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts haben sich die Arbeitsverhältnisse und das Arbeitsverständnis der Menschen grundlegend gewandelt. Im Zusammenhang mit den neuen Produktionsverhältnissen entwikkelte sich die Lohnarbeit, die Entfremdungen mit sich brachte. Die Arbeit wurde aus der häuslichen Gemeinschaft herausgelöst und zu einer frei handelbaren Ware. Dies forderte den solidarischen Zusammenschluss der lohnabhängig arbeitenden Menschen heraus.

(12) Seitdem hat sich die Arbeitsgesellschaft mehr und mehr zu einer Erwerbsarbeitsgesellschaft entwickelt . Das bedeutet, dass sich die Gesellschaftsstruktur vor allem an den Maßgaben der über den Markt vermittelten Form der Erwerbsarbeit ausrichtet.

(13) Die Erwerbsarbeit entfaltet heute ihre strukturierende Kraft, wenn

  • Einkommen und soziale Sicherheit für die meisten Männer und Frauen über ihre Teilnahme am Arbeitsmarkt vermittelt werden;
  • der individuelle und der gesellschaftliche Lebensrhythmus von Frauen und Männern an den Zeitstrukturen ausgerichtet wird, so wie sie durch die Organisation der Erwerbsarbeit vorgegeben sind;
  • die Freizeit der Menschen durch kommerzielle Interessen funktionalisiert und ausgebeutet wird;
  • Familie und Partnerschaft sowie das Verhältnis der Geschlechter an den Vorgaben der Erwerbsarbeit ausgerichtet werden müssen;
  • die Organisation der Erwerbsarbeit selbst sich vorrangig nach ökonomistischen Gesichtspunkten entwickelt und der Mensch dabei als "Ware Arbeitskraft" gesehen wird;
  • Erziehung und Bildung tendenziell auf die "Verwertbarkeit" des Menschen im arbeitsteilig organisierten Produktionsprozess hin konzipiert und praktiziert werden;
  • die natürlichen Lebensgrundlagen als bloße Hilfsmittel für den Wirtschaftsprozess ausgebeutet werden;
  • insgesamt die Lebenswelten der Menschen durch Zwänge der Erwerbsarbeit fremdbestimmt werden.

(14) Zugleich wirkt die zentrale Stellung der Erwerbsarbeit heute spaltend auf die Gesellschaft, wenn

  • Erwerbsarbeitslosigkeit bedeutet, erhebliche Einschränkungen von Einkommen und sozialer Sicherheit, von einem anerkannten sozialen Status und Konsum, sowie von Bildungs- und Teilhabechancen hinnehmen zu müssen;
  • lang anhaltende hohe Massenarbeitslosigkeit nicht nur die unmittelbar von Arbeitslosigkeit Betroffenen und deren Familien ausgrenzt, sondern auch die gesamte Arbeitnehmerschaft und ihre Organisationen damit an Existenzsicherheit, Durchsetzungsfähigkeit und Einkommen verliert;
  • Beschäftigte in den Betrieben in Kern- und Randbelegschaften aufgespalten werden und dies gleichzeitig eine Zuteilung bzw. Verweigerung von gesellschaftlichen Chancen bedeutet;
  • die Durchsetzungsmöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt extrem ungleich verteilt sind und bestimmte Gruppen ausgegrenzt und an den gesellschaftlichen Rand gedrängt werden;
  • sich durch die gesellschaftliche Organisation der Erwerbsarbeit geschlechtsspezifische Herrschaftsverhältnisse auf Kosten der Frauen herausbilden und verschärfen;
  • sich eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung entwickelt, die Frauen diskriminiert, weil ihnen vorrangig Formen der Arbeit zugeordnet werden, die einen deutlich untergeordneten Stellenwert haben;
  • insgesamt die gesellschaftliche Wertschätzung von Arbeit allein auf die über den Markt vermittelte Erwerbsarbeit bezogen ist;
  • Familien mit Kindern gegenüber Kinderlosen ins soziale Abseits geraten;
  • Ältere und Jüngere gegeneinander ausgespielt werden;
  • Ausländer gegenüber Inländern benachteiligt und beide Gruppen gegeneinander ausgespielt werden;
  • sogenannte "Randgruppen" von Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe und Teilnahme ausgeschlossen werden;
  • der von allen erwirtschaftete Reichtum in unserer Gesellschaft extrem ungleich verteilt wird und eine "Zwei-Drittel-Gesellschaft" entsteht,
  • eine internationale Arbeitsteilung stattfindet, die die Welt in sogenannte "Entwicklungsländer" und "Industrienationen" spaltet und damit Milliarden von Menschen zu Elend und Hunger verurteilt.

(15) Gegenwärtig zeichnet sich ab, dass die strukturierenden Vorgaben der Erwerbsarbeit mehr und mehr in Frage gestellt werden und so ihren Absolutheitsanspruch verlieren. Dazu tragen unterschiedliche Entwicklungen bei:

  • Menschen erkennen, dass die in die Wachstumsideologie der Industriegesellschaften eingebundene Erwerbsarbeit die natürlichen Grundlagen des Lebens auf der Erde schädigt und sie deshalb einer Revision bedarf.
  • Menschen erkennen, dass die in den Industriegesellschaften vorherrschende Erwerbsarbeit dazu beiträgt, eine internationale Wirtschaftsordnung zu zementieren, die die Welt in viele Arme und wenige Reiche spaltet.
  • Menschen erkennen, dass Erwerbsarbeit zunehmend zu einer Entsolidarisierung des menschlichen Zusammenlebens führt und Spaltungen verschärft.
  • Menschen erkennen, dass die mit der Globalisierung einhergehende Liberalisierung des Kapitalverkehrs und die faktische Außerkraftsetzung zwischenstaatlicher Grenzen für Geld und Kapital die Grundlagen der "Solidargemeinschaft" und damit den Sozialstaat bedrohen.
  • Menschen erkennen, dass im Zuge der Deregulierung und Liberalisierung die Steuerungs- und Gestaltungskompetenz von Staat und Politik immer mehr durch Wirtschaft und Kapital zurückgedrängt werden.
  • Menschen erkennen, dass unser bestehendes Wirtschaftssystem nicht so eingesetzt und genutzt wird, dass es in der Lage wäre, dafür zu sorgen, dass alle Menschen "Brot und Arbeit" haben und die Natur erhalten bleibt.
  • Menschen erkennen, dass Arbeit mehr ist als Erwerbsarbeit. Denn zum Gelingen des gesellschaftlichen Zusammenlebens sind Tätigkeiten nötig, die sich den Gesetzmäßigkeiten der Erwerbsarbeit entziehen.
  • Menschen erkennen, dass die Erwerbsarbeit durch neue Formen der Tätigkeit ergänzt und auch ersetzt werden kann und mit diesen Veränderungen keineswegs ein Verlust an Lebensqualität verbunden ist.
  • Menschen erkennen, dass der Sinn des Lebens nicht allein durch Erwerbsarbeit gefunden werden kann, die in weiten Bereichen des Wirtschaftsgeschehens nicht der Entfaltung persönlicher Möglichkeiten, sondern den Profitinteressen von wenigen nützt.
  • Menschen erkennen, dass die Dreiteilung des Lebens in Ausbildungs- und Arbeitsphase mit anschließendem Rentnerdasein nicht mehr greift und zu Verunsicherungen führt.
  • Menschen erkennen, dass die ältere Generation als Folge kürzerer Erwerbsphase und bei höherer Lebenserwartung ausgegrenzt wird. Damit verbunden ist der Verlust von lebenslang erworbenen Kompetenzen und Erfahrungen für die Gesellschaft.

(16) Die derzeitige Erwerbsarbeitsgesellschaft ist eine "gespaltene Gesellschaft". Spaltung heißt Ausgrenzung von Menschen und ganzen Gruppen, das An – den –Rand - der – Gesellschaft - Drängen, Auflösung des gesellschaftlichen Solidargedankens.

(17) Zu diesem Solidaritätsverlust trägt die "Vergötzung des Marktes" bei, die heute wieder zunehmend Realität wird. Die Totalität des Marktes degradiert alles, sogar die menschliche Arbeit, zur bloßen Ware. Wo allein der Markt regiert, kommt es zu Ausgrenzungsprozessen von Schwächeren, zur Vernichtung menschlicher Arbeit. Dies widerspricht den Grundsätzen der kirchlichen Sozialverkündigung, nach denen die Wirtschaft dem Menschen und der Befriedigung seiner Bedürfnisse zu dienen hat.

(18) Deshalb wird sich die KAB weiterhin mit der Struktur der Erwerbsarbeitsgesellschaft und mit der Einengung der menschlichen Arbeit auf die Erwerbsarbeit auseinandersetzen.

(19) Die Modernisierung der Gesellschaft, Individualisierung und Pluralisierung haben zwar die Erwerbsarbeitsgesellschaft zur Voraussetzung, lassen sich aber aus ihr allein nicht mehr hinreichend begründen. Wir leben derzeit in einer Übergangsphase. Nach wie vor prägen die Erwerbsarbeit und ihre Organisation weite Bereiche unseres individuellen und gesellschaftlichen Lebens. Gleichzeitig lassen sich ein Entschwinden der Erwerbsarbeitsgesellschaft und die allmähliche Herausbildung einer neuen Form der Arbeitsgesellschaft beobachten, die verschiedene Formen des Arbeitens und der Muße als Ausdruck des "tätigen Lebens" in ein neues Verhältnis zueinander bringen will.

 

 

Kontakt:

 

Vorsitzende: Ingeburg Hammer, Telefon: 0511 / 42 24 00

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